Die Videosprechstunde

Ortsunabhängige Arzt-Patienten-Kommunikation

Im Rahmen der Videosprechstunde können Ärztinnen und Ärzte mit ihren Patienten in direkten Kontakt treten, ohne dass diese die Praxis aufsuchen müssen. Die Teilnehmer der Videosprechstunde hören und sehen sich dabei wie im echten Sprechzimmer. So können Konsultationen trotz räumlicher Distanz in Echtzeit erfolgen, sicher mittels Ende-zu-Ende-Verschlüsselung via Internet.

Auf einen Blick

  • Mit der Aufhebung des Fernbehandlungsverbots im Jahr 2018 ist durch die Videosprechstunde eine ortsunabhängige Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten möglich.
  • Die Videosprechstunde ist bei allen Indikationen möglich – auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht bei diesem Arzt in Behandlung war.
  • Die Beschränkungen für den Einsatz der Videosprechstunde auf 20% aller Behandlungsfälle ist Pandemie-bedingt seit dem 01.04.2020 aufgehoben. 
  • Auch Ärzte untereinander können die Videosprechstunde zum Austausch über Behandlungsfälle nutzen (Telekonsil).
  • Die Online-Sprechstunde darf nur über einen zertifizierten Videodienstanbieter durchgeführt werden.
  • Auf Seiten der Arztpraxis und des Patienten ist dann lediglich eine Kamera, ein Mikrofon und Headset sowie ein Bildschirm notwendig. Die Arztpraxis benötigt darüber hinaus noch eine Softwarelösung zur Anbindung der Praxissoftware.

Anwendungsmöglichkeiten der Videosprechstunde

Die Anwendungsmöglichkeiten der Videosprechstunde in der vertragsärztlichen Versorgung sind vielfältig:

Arzt-Patient-Gespräch
Arzt und Patient führen eine Videosprechstunde anstelle eines Präsenztermins durch.

Telekonsil
Abklärung von Fragestellungen mit einem räumlich weiter entfernten Spezialisten zu einem bestimmten Behandlungsfall. Ggf. kann der Patient im Telekonsil anwesend sein.

Austausch zwischen einer ambulanten und stationären Einrichtung
Austausch zwischen niedergelassenem Arzt und einer stationären Einrichtung zu einem gemeinsamen Patienten.

Die Einsatzmöglichkeiten für Videosprechstunden sind zahlreich und dabei unabhängig von der ärztlichen Fachgruppe oder dem Versichertenstatus des Patienten. Unter anderem kann sie Anwendung finden bei:

  • der Betreuung chronisch kranker Patienten.
  • Routinekontrollen bzw. Wiederholungsterminen.
  • der Befundbesprechung (z. B. Röntgenbilder).
  • der Besprechung von Laborwerten.
  • der Erstellung eines Medikationsplans.
  • Änderungen in der Medikation.
  • der Therapiebegleitung von Krebspatienten.
  • Vor- und Nachsorgeterminen bei Operationen.
  • der Verlaufskontrolle bei Operationen, Brüche etc.
  • Patientenschulungen bei langjährigen Behandlungen.
  • der Beratung zu Reiseimpfungen.
  • Altenheimbesuchen (etwa zur Wundanalyse).

Das bietet die Videosprechstunde

Die Videosprechstunde kann Ärztinnen und Ärzten unterschiedliche Möglichkeiten und Erleichterungen im Arbeitsalltag eröffnen: 

  • Der Kontakt zwischen Ärzten und Patienten ist über die Online-Sprechstunde ortsunabhängig und flexibel (etwa aus dem Homeoffice heraus oder auch außerhalb der Praxissprechzeiten) möglich.
  • Nicht zwingend notwendige Haus- oder Praxisbesuche und damit Anfahrtswege können vermieden werden.
  • Patientenströme können besser gesteuert werden, was eine Effizienzsteigerung bei internen Prozessen bedeutet.
  • Wartezimmer und Praxisräume werden durch eine geringere Patientenfrequenz entlastet.
  • Über die Videosprechstunde kann die Dringlichkeit eines Arztbesuches eruiert werden.
  • Sie kann bei der Entscheidung unterstützen, ob ein Praxisbesuch notwendig ist.
  • Sie kann bei der Triage, ob der Patient nicht besser in einer anderen Praxis (Facharzt, Notfallambulanz etc.) versorgt werden sollte, unterstützen.
  • Auch in Ausnahmesituationen (etwa in der Corona-Pandemie) wird die Patientenbindung beibehalten und gestärkt.
  • Die Videosprechstunde erleichtert die Betreuung chronisch kranker Patienten, die regelmäßige Sprechstunden benötigen.
  • Sie kann Beratungen, Rückfragen sowie die Nachsorge unterstützen und beschleunigen.
  • Die Nutzeroberfläche des virtuellen Sprechzimmers ist einfach und übersichtlich.
  • Es werden Funktionen angeboten, die wirkliche Unterstützung bieten (Screensharing, Dateiaustauschfunktion, Notizfunktion etc.).
  • Die Videosprechstunde bietet eine sichere Kommunikation mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung inkl. datenschutzrechtlicher Einwilligungsabfrage des Patienten.
  • Durch das Anbieten digitaler Anwendungen wird die Außenwirkung der Praxis gesteigert.
  • Neues Patientenklientel kann erschlossen werden, etwa jüngere Patienten mit geringer Bindung zur Ärztin oder zum Arzt.

Die Videosprechstunde in 6 Schritten

  1. Erwerb und Registrierung einer Lizenz bei einem geprüften Videodienstanbieter: Die Ärztin oder der Arzt registrieren sich bei einem zertifizierten Videodienstanbieter ihrer oder seiner Wahl. Dieser stellt der Praxis weitergehende Informationen über das Einwählen in die Videosprechstunde zur Verfügung.

  2. Terminvereinbarung: Die Praxis stellt nun ihren Patienten entweder über den eigenen Terminplaner oder über den Videodienstanbieter einen frei verfügbaren Termin für die Videosprechstunde zur Verfügung. Bei einem Telekonsil lädt eine Ärztin oder ein Arzt initial die Kollegin oder den Kollegen nach gleichem Verfahren ein. Um sicherzustellen, dass auch nur diese Person Zugang zur Videosprechstunde hat, versenden viele Videodienstanbieter nach Vergabe des Termins eine TAN-Nummer an den entsprechenden Teilnehmer.

  3. Datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung: Vor der ersten Videosprechstunde muss der Patient verpflichtend eine datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung abgeben. Dies kann je nach System über den Videodienstanbieter online erfolgen oder direkt in schriftlicher oder mündlicher Form über die Ärztin bzw. den Arzt.

  4. Aufruf der Videosprechstunde: Zunächst wählen sich die Teilnehmer in die Videosprechstunde ein. Der Patient führt den Log-in via TAN-Nummer durch, die er bei der Terminbestätigung erhalten hat, und wartet im Online-Wartezimmer, bis er von der Ärztin oder dem Arzt zugeschaltet wird. Dieser loggt sich je nach Anbieter in das entsprechende Portal ein oder ruft die Online-Sprechstunde aus seiner Praxissoftware heraus auf. Im Anschluss startet sie oder er initial die Videosprechstunde und schaltet den Patienten dazu. Das Telekonsil verläuft nach der gleichen Vorgehensweise.

  5. Durchführung der Videosprechstunde: Während der Videosprechstunde kann der Arzt je nach Anbieter auf unterschiedliche Funktionalitäten zurückgreifen. So können etwa zur Besprechung von Befunden Bildschirme geteilt werden oder Dateien untereinander ausgetauscht werden. Diese Funktionalitäten sind sowohl sinnvoll für Videosprechstunden mit Patienten als auch bei Telekonsilen zwischen Leistungserbringern, um sich beispielsweise anhand bildgebendem Material zu medizinischen Sachverhalten auszutauschen.

  6. Dokumentation: Ist die Videosprechstunde beendet, melden sich die Teilnehmenden von der Internetseite ab und die Ärztin oder der Arzt dokumentiert die Behandlung in der Praxissoftware.

Auswahl und Anzeige des Videodienstanbieters

Ärzte müssen sich zuerst für einen zertifizierten Videodienstanbieter entscheiden und dort eine Registrierung vornehmen. Hier finden Sie eine Liste der zertifizierten Videodienstanbieter.

Eine Abrechnung der telemedizinischen Leistungen kann erst erfolgen, wenn Ärzte die Nutzung ihres zertifizierten Videodienstanbieters bei Ihrer KV angezeigt haben. Auf der Website der KBV finden Sie eine Übersicht der je KV-Gebiet genutzten Genehmigungsverfahren.

Datenschutzrechtliche Anforderungen an Arztpraxis und Teilnehmer

  • Die Videosprechstunde muss in Räumen stattfinden, die ausreichend Privatsphäre bieten.
  • Der Klarname der Patientin oder des Patienten muss für die Praxis erkennbar sein.
  • Zu Beginn der Videosprechstunde muss auf beiden Seiten eine Vorstellung aller im Raum anwesender Personen erfolgen.
  • Die Videosprechstunde muss vertraulich und störungsfrei verlaufen.
  • Die Videosprechstunde muss frei von Werbung sein.
  • Aufzeichnungen zur Dokumentation der Behandlung sind während der Videosprechstunde nur mit Einwilligung gestattet.

Wichtig für Ärztinnen und Ärzte

Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, von ihren Patienten vor der ersten digitalen Sprechstunde eine datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung bezüglich der Datenverarbeitung einzuholen. Sie sind für die korrekte Einhaltung der rechtlichen Datenschutzvorgaben verantwortlich im Sinne der DSGVO. Hier finden Sie zusammengefasst alle Informationen zu den Anforderungen an die technischen Verfahren zur Videosprechstunde.

Alle Ärztinnen und Ärzte unterliegen vor der Entscheidung, ob eine ausschließliche Fernbehandlung für den jeweiligen Patienten durchgeführt wird, einer Aufklärungs- und Sorgfaltspflicht.

Dies beinhaltet folgende Punkte:

  • Die ärztliche Vertretbarkeit der Fernbehandlung muss gewährleistet sein.
  • Bei der Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie der Dokumentation muss die erforderliche Sorgfalt gewahrt werden.
  • Der Patient muss über die Besonderheiten einer ausschließlichen Fernbehandlung aufgeklärt werden.

Ist die Ärztin oder der Arzt den Aufklärungs- und Sorgfaltspflichten nachweislich nachgekommen, kann eine Behandlung per Videosprechstunde sowohl bei bekannten als auch unbekannten Patienten in allen privat- oder kassenärztlichen Fällen genutzt und abgerechnet werden.

  • Bei bekannten Patienten
    Dabei werden die in der Praxissoftware hinterlegten Versichertenstammdaten genutzt. Gegebenenfalls sollte sich beim Patienten rückversichert werden, dass keine Änderung des Versichertenverhältnisses vorliegt.
  • Bei unbekannten Patienten
    In diesem Fall muss der unbekannte Patient seine Gesundheitskarte im Rahmen des Videotelefonats vorzeigen und authentifiziert so seine Identität. Für die Abrechnung sind folgende Daten notwendig: Name der Krankenkasse, Name und Vorname des Versicherten, Geburtsdatum, Versichertenart, Postleitzahl, Krankenversicherungsnummer.

 

Technische Voraussetzungen in der Arztpraxis und beim Patienten

Ärztinnen und Ärzte benötigen neben der Registrierung bei einem zertifizierten Videodienstanbieter bestimmte Hardwarekomponenten, die eine Videosprechstunde technisch ermöglichen:

Kamera

Bildschirm

Mikrofon und Lautsprecher

Auch Patientinnen und Patienten bzw. Kolleginnen und Kollegen (Telekonsil) benötigen diese Hardwarekomponenten, um erfolgreich an einer Videosprechstunde teilnehmen zu können.

So wird die Videosprechstunde abgerechnet

Die Videosprechstunde ist für Kassenpatienten (EBM) und Privatpatienten (GOÄ) abrechenbar:

Abrechnung über Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM):

  • Grund-, Versicherten- und Konsiliarpauschalen
  • Zusätzlich abrechenbare Leistungen wie beispielsweise Videofallkonferenzen
  • Technik- und Förderzuschläge
  • Zuschlag für die Authentifizierung neuer Patienten

Hier erhalten Sie eine Gesamtübersicht zur Vergütung telemedizinischer Leistungen.

Abrechnung über Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ):

Derzeit gibt es für die Abrechnung von Privatpatienten im Zusammenhang mit telemedizinischen Leistungen keinen offiziellen Leistungskatalog. Die Bundesärztekammer hat am 26.06.2020 eine Abrechnungsempfehlung zu telemedizinischen Leistungen veröffentlicht.

Hier finden Sie eine Übersicht der entsprechenden GOÄ-Ziffern und deren Beschreibung.

Abrechnungsbeispiel

Als Beispiel dient eine 52-jährige gesetzlich versicherte Patientin, die vor kurzem einen Herzinfarkt hatte. Zudem ist sie Diabetikerin und leidet an einer Hypertonie. Im Beispiel werden nun drei verschiedene Szenarien verglichen:

  1. Kontakt per Videosprechstunde und einmaliger persönlicher Kontakt im Quartal (Patientin bekannt)
  2. Ausschließlicher Kontakt per Videosprechstunde (Patientin unbekannt)
  3. Rein persönlicher Kontakt in der Praxis (Patientin bekannt)

Abrechnungsbeispiel für drei Szenarien

GOP Leistungsbeschreibung Kontakt per Video und einmaliger persönlicher Kontakt im Quartal Kontakt nur per Video Persönlicher Kontakt
03003 Versichertenpauschale (VP) für Versicherte ab dem 19. bis zum vollendeten 54. Lebensjahr, einmal im Quartal 12,68 € 10,14 € 12,68 €
03040 Zusatzpauschale zur VP für die Wahrnehmung des hausärztlichen Versorgungsauftrags, einmal im Quartal von KV zugesetzt 15,35 € 12,28 € 15,35 €
03220 Zuschlag zur VP für die Behandlung und Betreuung eines Patienten mit mindestens einer lebensverändernden chronischen Erkrankung, einmal im Quartal 14,46 € 14,46 € 14,46 €
03230 Problemorientiertes ärztliches Gespräch, das aufgrund von Art und Schwere der Erkrankung erforderlich ist, mindestens 10 Minuten 14,24 € 14,24 € 14,24 €
01450 Technikzuschlag 4,45 € 4,45 € -
01444 Zuschlag zur VP für die Authentifizierung eines unbekannten Patienten, einmal im Behandlungsfall - 1,11 € -
Gesamt:   61,18 € 56,68 € 56,73 €

 

Erläuterungen im Rahmen des Abrechnungsbeispiels

Die Pauschalen nebst Zuschlägen werden in voller Höhe gezahlt, wenn im selben Quartal noch ein persönlicher Kontakt erfolgt. Ist dies nicht der Fall und der Kontakt erfolgt ausschließlich per Video, werden diese gekürzt (Abschlag 20, 25 bzw. 30 Prozent je nach Fachgruppe). In der Darstellung „Kontakt nur per Videosprechstunde“ wurden die GOPs 03003 und 03040 um 20 Prozent gekürzt. Die Abrechnung ist dann mit der Pseudo-GOP 88220 zu kennzeichnen, wenn der Patient in einem Quartal ausschließlich die Videosprechstunde „aufsucht“.

Abschlag je Fachgruppe:

Gruppe 1: Abschlag i.H.v. 20% Gruppe 2: Abschlag i.H.v. 25% Gruppe 3: Abschlag i.H.v. 30%
  • Hausärzte
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Neurologie/Neurochirurgie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie/
    -psychotherapie
  • Psychosomatik/Psychotherapie/Psychiatrie
  • Schmerztherapie
  • Strahlentherapie (nur GOP 25214)
  • Ermächtigte Ärzte
  • Innere Medizin
  • Gynäkologie
  • Chirurgie
  • Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
  • Humangenetik
  • Dermatologie
  • Orthopädie
  • Urologie
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin
  • Anästhesie
  • Augenheilkunde
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde/Phoniatrie

 

Je Videosprechstunde können 40 Punkte abgerechnet werden. Insgesamt ist der Technikzuschlag pro Quartal auf 1.899 Punkte gedeckelt, er ist also auf maximal 47 Videosprechstunden pro Quartal anrechenbar.

Fortbildung der medatixx-akademie

In den medatixx-akademie-Clips sehen Sie, wie die Videosprechstunde x.onvid in den Praxissoftwarelösungen vorbereitet und durchgeführt wird - sowohl aus der Artzpraxis wie aus dem Homeoffice.

zu den Tutorials

 

 

So macht es medatixx

medatixx bietet für Videosprechstunden die tief in die Praxissoftware integrierte und von der KBV zertifizierte Zusatzlösung x.onvid an. Dazu kooperiert medatixx mit dem Videodienstanbieter Patientus. x.onvid ermöglicht Ärzten, eine Videosprechstunde aus der Praxissoftware heraus zu führen. Durch die Integration kann der Arzt während dieser Zeit Einträge im Datenblatt des Patienten vornehmen. Die Videosprechstunde lässt sich mit der Online-Terminbuchung von medatixx verbinden. Dadurch wird der gesamte Prozess der Videosprechstunde – von der Terminanfrage bis zum Videogespräch – digital organisiert. Mehr unter xonvid.de.