Der TI-Messenger (TIM)

Ad-hoc-Kommunikation im Gesundheitswesen

Der TI-Messenger ermöglicht einen schnellen und sicheren Austausch von Kurznachrichten zwischen verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens. Erste zugelassene Sofortnachrichtendienste sollen ab Ende des Jahres 2022 zur Verfügung stehen.

Auf einen Blick

  • Mit dem Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) vergab der Gesetzgeber im Jahr 2021 den Auftrag, die sichere Kommunikation im Gesundheitswesen um einen Sofortnachrichtendienst zu erweitern – den TI-Messenger (TIM).
  • Ziel dabei ist eine niederschwellige und schnelle Kommunikation zur Abstimmung von patienten- und versorgungsbezogenen Belangen für eine optimale medizinische Versorgung.
  • Die Nutzung von TIM ist freiwillig.
  • Über den TI-Messenger können sämtliche Akteure und Institutionen des Gesundheitswesens miteinander kommunizieren und Dokumente, Dateien, Bilder, und Audiodateien jeder Größe in Einzel- oder Gruppenchats austauschen.  
  • Der TI-Messenger ist orts- und geräteunabhängig nutzbar. Als Anwendung innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI) ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichergestellt.  
  • Zukünftig werden verschiedene – aber untereinander interoperable – TI-Messenger auf dem Markt existieren. Jeder TIM-Nutzer kann seinen Anbieter somit frei wählen.
  • Auch Versicherte können TIM nutzen. Ab 2023 wird er in die elektronische Patientenakte (ePA) integriert und somit auch Patienten zugänglich.

Das ist TIM

TIM ist ein sektorenübergreifender Kommunikationsdienst, der Nutzer im Gesundheitswesen schnell und unkompliziert miteinander verbindet und so eine übergreifende Vernetzung ermöglicht.

In der ersten Ausbaustufe können bereits sämtliche Leistungserbringer, wie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, in einer Klinik tätige Ärztinnen und Ärzte, psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Apothekerinnen und Apotheker und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterer Organisationen im Gesundheitswesen mit SMC-B (Praxisausweis) TIM nutzen.

Auch sogenannte Leistungserbringer-Institutionen – Praxen, Krankenhäuser, Apotheken, Pflegeeinrichtungen und Rehakliniken (mit SMC-B), kassenärztliche Vereinigungen sowie Ärztekammern – können TIM zur sicheren und schnellen Kommunikation nutzen.

In der zweiten Ausbaustufe können zudem Patientinnen und Patienten den TI-Messenger einsetzen und darüber mit ihrem Arzt kommunizieren. Weitere Institutionen wie Gesundheitsämter, das BfArM oder auch gesetzliche und private Krankenkassen können sich ebenfalls an TIM anschließen. So haben Versicherte künftig die Möglichkeit, sich via TIM mit ihrer Krankenkasse auszutauschen.

Analog zu KIM werden zukünftig verschiedene – aber untereinander interoperable – TI-Messenger auf dem Markt existieren. Jeder TIM-Nutzer kann seinen Anbieter frei wählen.

Das bietet der TI-Messenger

TIM bietet Ärztinnen und Ärzten sowie Praxisteams einen schnellen und sicheren Kommunikationskanal zum geräte- und ortsunabhängigen Austausch mit Akteuren sämtlicher Gesundheitsberufe.

Der Informationsaustausch via TIM erfolgt in Echtzeit. Durch diesen schnellen Kommunikationsweg kann im Praxisalltag wertvolle Zeit eingespart werden. 

Patientinnen und Patienten können zum Beispiel zukünftig per Kurznachricht über den TI-Messenger auf vorliegenden Laborbefunde hingewiesen oder um einen Rückruf zu eingegangenen Testergebnisse gebeten werden. Rückfragen zu verordneten Medikamenten können adressiert oder administrative Prozesse zwischen Mitarbeitern verschiedener Praxisteams abgestimmt werden.

Mithilfe von Broadcast-Nachrichten (Nachrichtenversendung an eine bestimmte Benutzergruppe ohne direkte Antwortmöglichkeit) können Patientinnen und Patienten zudem über Urlaubszeiten informiert werden und Arztpraxen erhalten die aktuellen Impfempfehlungen direkt vom zuständigen Institut.

Ärztinnen und Ärzte sowie die Arztpraxis als Leistungserbringer-Institution können dabei festlegen, dass die initiale Kommunikation via TIM immer von ihnen ausgehen muss und nicht durch den Patienten initiiert werden kann.

Alle TI-Messenger unterliegen strengen Vorgaben zum Datenschutz. Daher können via TIM vertrauliche Patienteninformationen sowie sensible medizinische Inhalte datenschutzkonform und sicher ausgetauscht werden. Die Kommunikation verläuft Ende-zu-Ende-verschlüsselt und ist damit vor dem Zugriff durch Dritte geschützt. Eine Abstimmung mit Fachkollegen zu patientenbezogenen Inhalten per Text, Sprachnachricht oder anhand von Bildern ist somit geschützt möglich.

TIM ist ein orts- und geräteunabhängiger Sofortnachrichtendienst und schafft dadurch Komfort und Flexibilität im Praxisalltag. Nachrichten können von verschiedenen Endgeräten wie Smartphones, Tablets oder PCs versendet und empfangen werden – sowohl aus den Räumlichkeiten der Arztpraxis wie auch von unterwegs. Dadurch ist eine spontane Kommunikation mit dem Praxisteam oder mit Fachkollegen auch während Haus- oder Pflegeheimbesuchen unkompliziert möglich.  

TIM ermöglicht eine umfassende Kommunikation unter Leistungserbringern und Institutionen im Gesundheitswesen. Neben medizinischen Akteuren können mit TIM zukünftig auch Standesvertretungen, Krankenversicherungen sowie Patientinnen und Patienten erreicht werden.

So funktioniert TIM

Mit TIM ist eine schnelle und niederschwellige Kommunikation zwischen verschiedenen Stakeholdern im Gesundheitswesen möglich. Die Kommunikation erfolgt dabei dezentral über die jeweiligen Fachdienste. Die betreffenden Server kommunizieren immer direkt miteinander, ohne Umwege. Die via TIM übertragenen Daten liegen somit ausschließlich beim jeweiligen Fachdienstanbieter. Jede Praxis kann dabei – analog zu KIM – den Fachdienstanbieter ihrer Wahl nutzen, da sämtliche TIM-Angebote miteinander interoperabel sind.

An TIM teilnehmende Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer können über einen zentralen Verzeichnisdienst ermittelt werden. Patientinnen und Patienten sind anhand ihrer Krankenversicherungsnummer identifizier- und auffindbar.

Dabei sind drei verschiedene Kommunikationsszenarien denkbar:

  • Interne Kommunikation:
    Eine Kommunikation innerhalb der Praxis, z.B. zwischen Ärztinnen und Ärzten und MFAs derselben Praxis.
     
  • Externe Kommunikation:
    Eine Kommunikation zwischen Praxen und einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Praxen, zum Beispiel Arzt aus Praxis A mit Ärztin aus Praxis B, MFA aus Praxis A mit MFA aus Praxis B, etc.
     
  • Gruppenkommunikation:
    Eine Kommunikation innerhalb verschiedener Gruppen, die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (zum Beispiel Ärztinnen, Ärzten und MFA) unterschiedlicher Praxen zusammensetzen können. Dies kann hilfreich sein, wenn verschiedene Ärzte schnell und unkompliziert zu einem bestimmten Patienten kommunizieren oder einzelne Teams innerhalb einer Praxis mit Teams oder Einzelpersonen aus anderen Praxen kommunizieren wollen. Derartige Gruppen können von Administratoren in den Praxen erstellt und im Fachdienst hinterlegt werden.
     

So sieht der Fahrplan zu TIM aus

Der TI-Messenger wird stufenweise weiterentwickelt:

Ausbaustufe 1

Mit der ersten Ausbaustufe des TI-Messengers wird voraussichtlich ab Ende 2022 eine sichere und sektorenübergreifende Ad-hoc-Kommunikation zwischen Leistungserbringern ermöglicht. Über Instant Messaging können Textnachrichten sowie Bild- und Tonaufnahmen versendet werden.

Ausbaustufe 2

Ab 2023 können auch Versicherte sowie deren (gesetzliche) Betreuer oder Vertreter den TI-Messenger nutzen. Damit wird ein Nachrichtenaustausch mit Patienten möglich, der jedoch stets vom Leistungserbringer gesteuert wird. Versicherte können ab diesem Zeitpunkt über TIM ebenfalls Nachrichten mit ihrer Krankenkasse austauschen. Die zweite Stufe des TI-Messengers ermöglicht darüber hinaus die Übermittlung von eRezept-Token zwischen Versicherten untereinander im Sinne einer Vertreterregelung.

Ausbaustufe 3

Mit der dritten Ausbaustufe sollen 2024 weitere Funktionen wie die Übertragung bewegter Bilder und ein Videochat zwischen Leistungserbringer und Patient möglich sein.

TIM versus KIM - Eine Abgrenzung

Der TI-Messenger wird parallel zum bestehenden sicheren Übermittlungsverfahren KIM betrieben und weiterentwickelt. Somit besteht eine Koexistenz zweier technisch unterschiedlicher sicherer Übermittlungsverfahren mit unterschiedlichen Anwendungsschwerpunkten, die sich in ihrer Funktionalität nicht gegenseitig ausschließen. Nachfolgend eine Übersicht, wie sich beide Übermittlungsverfahren unterscheiden:

 

KIM

TIM

Kommunikations-standard Via E-Mail

Via Messaging/ Sofortnachrichtendienst

Anwender/ Nutzer Leistungserbringer im Gesundheitswesen mit Anbindung an die TI Wie KIM, zusätzlich auch Versicherte/ Patienten und deren Betreuer oder Vertreter

Zweck

Dient der Standard- oder Regelkommunikation

Ermöglicht eine unmittelbare und asynchrone Kommunikation (Ad-hoc-Kommunikation)

Dauer

Persistent
(Nachrichten werden dauerhaft abgelegt)

Flüchtig
(Nachrichten werden nach einem definierten Zeitraum gelöscht)

Beispiel

Größenbeschränkter Versand von Dokumenten mit medizinischem oder administrativem Inhalt, z.B. eArztbrief, eAU und Labordaten

Übertragung von Text, Dateien, Bild und Ton aller Art und ohne Größenbeschränkung

Anwendungsgebiet

Ortsgebunden

(ausschließlich stationäre Anwendung)

Ortsungebunden

(stationäre oder mobile Anwendung; geräteunabhängig)

Technologiebasis

E-Mail-Client oder Client in der Praxissoftware

Desktop-Version mit gängigen Betriebssystemen; in Apps oder in Praxissoftware integriert.

Gesetzliche Verpflichtung

Verpflichtende Nutzung
(etwa für die eAU)

Freiwillige Nutzung

 

Wichtig für Ärztinnen und Ärzte

  • Die Nutzung von TIM ist freiwillig. Ärztinnen und Ärzte, die einen eHBA besitzen, können selbst entscheiden, ob sie persönlich über TIM erreichbar sein wollen oder nicht.
  • Neben einer personenbezogenen Kommunikation ermöglicht der TI-Messenger auch eine einrichtungsbezogene Kommunikation mit und zwischen Leistungserbringerinstitutionen (zum Beispiel Arztpraxis A mit Arztpraxis B). Leistungserbringerinstitutionen können dabei unterschiedliche Berechtigungsumfänge für Mitarbeitende festlegen.
  • Ärztinnen und Ärzte sowie die Arztpraxis können zudem festlegen, dass die initiale Kommunikation via TIM immer von ihnen ausgehen muss. Ein initiales Anschreiben durch den Patienten kann damit unterbunden werden. Zu beachten ist jedoch: Patienten haben die Möglichkeit, die Kommunikation mit einem Leistungserbringer abzulehnen.
  • TIM ist kein dauerhaftes Speichermedium. Chatverläufe werden lediglich zeitlich begrenzt gespeichert und nach Ablauf einer festgelegten Frist gelöscht.
  • Der TI-Messenger kann sowohl im mobilen als auch stationären Umfeld verwendet werden. Er kann im Browser, in Apps und auch in der Praxissoftware geöffnet und genutzt werden.
  • User können Statusmeldungen veröffentlichen (zum Beispiel mit Urlaubsangaben) sowie mehrere Akteure per Broadcast-Nachricht erreichen (mit Antwortunterbindung).
  • Ab 2023 können Versicherte den TI-Messenger über ihre ePA für die Arzt-Patienten-Kommunikation nutzen.

So macht es medatixx

Gemeinsam mit dem Tochterunternehmen I-Motion arbeitet medatixx derzeit intensiv an der Umsetzung von TIM und steht eng mit möglichen Anbietern im Gespräch.